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Daniel Beerstecher

Bildender Künstler

Jahrgang 1979, lebt in Stuttgart

Für die gesamte Dauer einer zehntägigen Expedition 2005 durch den Sarek Nationalpark nördlich des Polarkreises, eines der wildesten und einsamsten Gebiete Europas, trug ich einen Anzug der Marke Hugo Boss. In dem Anzug durchquere ich Flüsse, erklimme Gipfel und durchwandere unberührte Landschaften.

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ZU MIR

Seit meiner frühen Jugend zieht es mich immer wieder in die Natur hinaus. Aus kleinen Unternehmungen mit Freunden und den Pfadfindern wurden über die Jahre groß angelegte Abenteuer, die in aufwendigen Kunstprojekten mündeten und mich in die entlegensten Winkel dieser Erde und zu unbekannten Kulturen in über 40 Ländern geführt haben: Ob auf Pferderücken durch die Mongolei, zu Fuß und ohne Geld von Flensburg nach Basel, im Hugo Boss Anzug zehn Tage durch den wildesten Nationalpark im hohen Norden Europas oder mit Ureinwohner*innen unterwegs im tiefsten Amazonas.

Bei diesen Unternehmungen sind komplexe Kunstwerke und eindrucksvolle Bilder entstanden.

Im Surferoutfit und mit Surfbrett unter dem Arm durchquere ich 2009 zwei Wochen die Sahara. In der halbstündigen Dokumentation ist zu sehen, wie ich mich Schritt für Schritt durch die Sanddünen und einsame Wüstenlandschaften bewege. Das Gehen ist der einzige Vorgang und nimmt den Betrachter mit auf meine Reise.

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In einem kleinen, umgebauten LKW machte ich mich auf den Weg nach Rimini. Die Ladeflächen des LKWs wurden mit einer Wiese, Büschen, Zelt und Feuerstelle zu einem Outdoor- Mobil umgestaltet, das bei jedem Halt sofort in ein wildes Naturcampingareal verwandelt werden kann. Die Diashow zeigt den Verlauf meiner zehntägigen Reise über den Gotthard bis zum Lago di Como und weiter zum Strand in Rimini, sowie die Rückreise über Venedig und den Brennerpass. Dies entspricht etwa der klassischen Reiseroute nach Italien, wie sie viele Deutsche zur Zeit des Wirtschaftswunders gewählt haben.

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Welchen enormen Erfahrungsschatz und welches Wissen ich in all den Jahren des Unterwegsseins ansammeln durfte, ist in den einzelnen Werken jedoch nur zu erahnen. Heute kann ich im Frühling kaum noch unterwegs sein, ohne bei all den frischen Kräutern am Wegesrand an das leckere Pesto oder den frischen knackigen Salat zu denken, die sich daraus zubereiten lassen. Ich durfte auch die natürlichen Heilwirkungen vieler regionaler und unbekannter Pflanzen von Pflanzenkundler*innen und Naturheiler*innen kennenlernen. Bei schlimmem Unwetter und in unwegsamen Gebieten, fernab jeglicher Zivilisation, weiß ich mir zu helfen und behalte meine Ruhe. Die Geschichten und Erfahrungen der Menschen, denen ich begegnet bin und mit denen ich zusammen unterwegs sein konnte, haben mich vieles gelehrt. Aus jeder Begegnung habe ich etwas gelernt – sei es auch nur, wie man etwas besser nicht machen sollte. 

Wer meine Geschichten hinter den einzelnen Projekten kennt, weiß vom unglaublichen Aufwand, den ich betreibe, um meine Visionen und Konzepte zu realisieren. Ein prägnantes Beispiel ist The Conquest of the Useless: Ein Segelboot, an welchem ich mit einem Team von Ingenieuren und Mechanikern ein Fahrgestell montiert hatten, um einen Monat über die Straßen Patagoniens zu segeln. Trotz aller Schwierigkeiten habe ich mich nicht von diesem und anderen Projekten abbringen lassen. Ich habe es immer wieder geschafft, Menschen für meine Vorhaben zu begeistern und mit oftmals vielen Leuten im Team an deren Realisierung zu arbeiten.

Daniel Beerstecher

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Im Jahr 2004 legte ich 1200km zu Fuß und ohne Geld von Flensburg nach Basel zurück.

Daniel Beerstecher

Die Eroberung des Nutzlosen-Daniel Beers
Walk in Time - Pressefoto II, von Stanis

Kunst der Entschleunigung

Obwohl die Entschleunigung durch das nachhaltige Reisen und Wandern schon immer einen hohen Stellenwert in meinem Leben und meiner Kunst hatte und ich schon seit 14 Jahren meditiere, gewinnt dieser Aspekt in den letzten Jahren nicht nur privat, sondern auch in meiner Kunst immer mehr an Bedeutung. 

In meinem Projekt Walk in Time 2019, bin ich einen Marathon der Entschleunigung gelaufen: 

Für die 42,2 km zwischen Donaueschingen und Neuhausen ob Eck habe ich 60 Tage bei einer Geschwindigkeit von 120 Metern pro Stunde gebraucht. Der ,Slow-Walk‘, den ich hier praktiziert habe, beruhte auf einer Buddhistischen Technik der Geh-Meditation, die es mir ermöglichte, Anstrengung und Zeit auszublenden. Selbst 37°C im Schatten, auf freiem Feld, der Sonne voll ausgeliefert, konnten mir nichts anhaben. Meine in mich gekehrte Präsenz führte dazu, dass Tiere, denen ich begegnet bin, keinerlei Furcht vor mir verspürten. Ein Feldhase hoppelte bis auf wenige Meter an mich heran und begutachtete meinen Slow-Walk, auch ein Fuchs blieb ruhig am Wegesrand sitzen und beobachtete mich bis ihn ich nach 20 Minuten fast erreicht hatte und er dann schließlich weiterzog.

 

Auf ‘Walk in Time’ folgten weitere Projekte der Entschleunigung, bei denen jedoch der direkte Kontakt mit den Menschen vor Ort oder, per Livestream im Mittelpunkt stand.

 

Interessanter weise haben besonders diese neuen meditativen Projekte  eine starke Veränderung in mir bewirkt. Während ich früher häufig von innerer Unruhe getrieben, freiheitsliebend und voller Sehnsucht nach unberührter Natur fernab jeglicher Zivilisation war, konnte ich das letzte Jahr, in denen sich der Großteil der Geslleschaft mal mehr mal weniger im Lockdown befand, nicht nur bloss ertragen, sondern lernte diese Zeit – trotz aller Tragik im Allgemeinen – für mich selbst sogar zu genießen. Durch einfache Achtsamkeitsübungen wurde der tägliche Spaziergang im örtlichen Wald zu einem kleinen, erholsamen Abenteuer und die unfreiwillig gewonnene Zeit half mir dabei, noch weiter zu entschleunigen als bisher. Das Gefühl, nur zu Hause rumzusitzen und deswegen unproduktiv zu sein, verschwand. 

 

Am beeindruckendsten schien mir dabei, dass sich allein meine Sicht auf die Dinge geändert hat. Rückblickend bin ich auch in den Tagen des eingeschränkten Handelns nicht untätig auf dem Sofa geblieben, sondern durch meine bewusste Entschleunigung äußerst produktiv geworden, und konnte dabei sogar innerlich entspannt bleiben.

 

In dieser vermeintlich stillstehenden Zeit ist der Entschluss in mir gereift, meine Erfahrungen und alles was ich auf meinen Reisen gelernt habe, nicht mehr nur in Kunst zu verpacken, sondern diese Erfahrungen auch direkt mit den Menschen und so umfangreich wie möglich zu teilen, indem ich sie aktiv daran teilhaben lasse:

 

Wenn du bereit für ein Abenteuer bist, offen für Neues, dann kannst du mit mir einige Tage unterwegs sein und ein Erlebnis buchen, dass zwischen Outdoor-Trip, Achtsamkeitsretreat und Performancekunst anzusiedeln ist und mit Sicherheit ein prägendes und unvergessliches Erlebnis wird!